!Mitten im=Buch

morgen-gluecklich
Im Westwerk.

Dies ist keine Rezension. Dafür sollte ein Buch durchgelesen sein. Dies hier ist ein Zeichen von staunender Ungläubigkeit vor einem Roman, der anders ist als alle die ich vormals gelesen habe.

Ich muss zugeben, „Nichts von euch auf Erden“ von Reinhard Jirgl macht es einem nicht leicht und ich trage es schon seit der Veröffentlichung mit mir herum und bin immer noch nicht am Ende angelangt. Es ist ein schweres Buch, geschrieben in einer Sprache, die anstrengt und ermüdet, sich aber lohnt. Jede Seite genieße ich, wie ein Gläschen 21-jährigen Auchentoshan. Dieses Buch ist kein Jack Daniels.

Es soll jetzt hier kein so verschwurbelter Text wie dieser entstehen, (bei dem man übrigens das Gefühl hat, dass der Autor das Buch ebenfalls noch nicht komplett gelesen hat, nicht mal das erste Drittel) sondern einfach nur eine Empfehlung für Menschen, die sich für deutsche Literatur interessieren. Lest es.

Alleine schon um solch wunderbare Textstellen zu finden:

Die Heutigen Menschen sind junge Menschen , aber die-Jungen=Heute sind weder renitent noch revolutionär. Sie sind bloß wild u: suchen in=Allem mit Allerkraft die-Anpassung ans Bestehende. Ihre Wildheit müssen die-Jungen für Freiheit nehmen, sie haben Nichts anderes. Die-Regierungen können ruhig sein, von den-Jungen droht IHNEN keine Gefahr. Und mit dem Morgenlicht wird zurückkehren unser=altes bieder Meier…

Oder Ausbrüche folgender Art:

Auf=Erden bleiben od gehen  ist mir nun 1erlei. Übrigens, Ficken ist was für=Fraun.
Sie: Den Kindern, verstehe ich, ein Schrecken. Das trifft sich gut. Keine Sorge, von mir ist nichts zu befürchten, wir sind  nicht im Trauerspiel. Frauen, die reden, ficken nicht. Auch ermüdet mich die alte Turnerei am Bock mit ihren Wortspreizereien aus versteckter Geilheit und Hundzahmigkeit im Gebiss unsrer Rede, die Zähne der Weisheit sind uns gezogen.

Hui.

2 Gedanken zu „!Mitten im=Buch

  1. Verdammt. Mir tun jetzt schon die Augen weh. Da weint Arno Schmidt vor Freude im Grab. Ich fürchte ich werde das nicht lesen können. Mir war neulich schon Kolks blonde Bräute mit der ganzen Alltagssprache zu viel. Auszug:

    „[…] sohn Tühb auß ihra Eggßfehrma … aso daß wah die Fehrma wo sie allß Seggretehrin ge’ahbeided hadde … und der rief dauand bei ihr an und nehrfde sie un so. Der hadde auch die Schwannßpossdkahde geschrieben“

You talkin' to me?